Was uns wichtig ist
Parteilichkeit #
Wir stehen auf deiner Seite.
Das bedeutet in der Praxis, dass wir bei unserer Arbeit zuerst auf die betroffene Person schauen.
Eine betroffene Person ist ein Mensch, der Diskriminierung oder Belästigung erlebt hat.
Diskriminierung heißt, dass Menschen schlechter behandelt werden, weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören.
Belästigung bedeutet, dass ein Verhalten unangenehm, verletzend oder übergriffig ist.
Die Sicht dieser Person ist der Startpunkt für alles, was wir tun.
Wir stellen ihre Interessen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt.
Bedürfnisse sind das, was ein Mensch braucht, um sich sicher und ernst genommen zu fühlen.
Wir unterstützen die betroffene Person dabei, einen Umgang mit der Situation zu finden, der für sie richtig ist.
Unterstützen heißt hier, begleiten und stärken, nicht bestimmen.
Der Grund dafür liegt in unserer Gesellschaft.
In der Gesellschaft gibt es Machtverhältnisse.
Machtverhältnisse beschreiben, dass manche Menschen mehr Einfluss haben als andere.
Es gibt auch Ungleichheitsstrukturen.
Ungleichheitsstrukturen sind feste Muster, durch die manche Gruppen benachteiligt werden.
Deshalb ist es wichtig, Menschen zuzuhören.
Zuhören heißt, ernsthaft und ohne Vorurteile zuzuhören.
Das Erlebte darf dabei nicht klein geredet werden.
Klein reden bedeutet, so zu tun, als sei es nicht schlimm gewesen.
Es darf auch nicht relativiert werden.
Relativieren heißt, das Erlebte mit Vergleichen abzuschwächen.
Wir suchen keine objektive Wahrheit.
Objektive Wahrheit bedeutet eine angeblich neutrale Sicht von außen.
Für uns ist wichtig, dass nur die betroffene Person selbst sagen kann, ob ihre Grenzen überschritten wurden.
Grenzen sind persönliche Linien, die zeigen, was für einen Menschen noch okay ist und was nicht.
Wenn wir das anerkennen, nehmen wir Ohnmacht ernst.
Ohnmacht ist das Gefühl, keine Kontrolle zu haben und nicht gehört zu werden.
Wir stellen uns auch gegen victim blaming. Victim blaming ist ein englischer Begriff.
Er bedeutet, dass Betroffene selbst für das verantwortlich gemacht werden, was ihnen angetan wurde.
Oft entscheidet sonst die Mehrheitsgesellschaft über solche Situationen.
Die Mehrheitsgesellschaft sind die Menschen, die zur größten und meist mächtigsten Gruppe gehören.
Sie nimmt sich dann das Recht heraus zu bestimmen, wer diskriminiert wurde und wer nicht.
Das ist unfair.
Uns ist wichtig, dass auch Menschen wahrgenommen werden, die sonst übersehen werden.
Wahrgenommen werden heißt, gesehen, gehört und ernst genommen zu werden.
Gesellschaftliche Macht-verhältnisse reflektieren #
Wir reflektieren Situationen.
Das heißt, wir denken bewusst darüber nach.
Wir betrachten Situationen im Licht gesellschaftlicher Machtverhältnisse.
Gesellschaftliche Machtverhältnisse beschreiben, dass manche Menschen mehr Einfluss und Vorteile haben als andere.
In der Praxis bedeutet das Folgendes.
In unserer Gesellschaft gibt es verschiedene Formen von Diskriminierung.
Diskriminierung heißt, dass Menschen schlechter behandelt oder ausgeschlossen werden.
Dazu gehört Rassismus.
Rassismus bedeutet, dass Menschen wegen ihrer zugeschriebenen Herkunft oder Hautfarbe abgewertet werden.
Dazu gehört Antisemitismus.
Antisemitismus ist Hass oder Abwertung gegenüber jüdischen Menschen.
Dazu gehört auch Ableismus.
Ableismus bedeutet die Diskriminierung von behinderten Menschen, neurodivergenten Menschen oder chronisch kranken Menschen.
Neurodivergent heißt, dass das Gehirn anders arbeitet als wie bei den meisten Menschen.
Chronisch krank bedeutet, dass eine Krankheit dauerhaft oder sehr lange besteht.
Es gibt auch Klassismus.
Klassismus ist die Diskriminierung von armen Menschen oder von Menschen mit wenig Geld und wenig gesellschaftlichem Einfluss.
Das nennt man sozioökonomisch benachteiligt.
Sozioökonomisch bezieht sich auf die Lebenslage, zum Beispiel Einkommen, Bildung und Arbeit.
Außerdem gibt es Sexismus.
Sexismus bedeutet Abwertung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts.
Es gibt auch Trans-, Inter- und Queerfeindlichkeit.
Das meint Ablehnung oder Ausgrenzung von transgeschlechtlichen, intergeschlechtlichen oder queeren Menschen.
Queer ist ein Sammelbegriff für Menschen, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht der gesellschaftlichen “Normalität” entspricht.
All diese Machtverhältnisse wirken auch im Chaos und auf den Events.
Events sind Veranstaltungen.
Diese Probleme verschwinden dort nicht einfach.
Deshalb versuchen wir zu sensibilisieren.
Sensibilisieren heißt, aufmerksam zu machen und Bewusstsein zu schaffen.
Wir bringen uns bei diesen Themen ein.
Das tun wir nach innen und nach außen. Nach innen heißt innerhalb der eigenen Strukturen.
Nach außen heißt gegenüber anderen Menschen und Gruppen.
Der Grund dafür ist unsere Gesellschaft selbst.
Unsere Gesellschaft ist von Machtverhältnissen geprägt.
Diese Machtverhältnisse lernen wir in unserer Sozialisation.
Sozialisation bedeutet, wie wir von klein auf durch Familie, Schule, Medien und Umfeld geprägt werden.
Das passiert, ob wir es wollen oder nicht.
Dabei entstehen internalisierte Bilder, Bewertungen und Erwartungen.
Internalisiert heißt, dass diese Vorstellungen tief in uns verankert sind.
Sie beeinflussen, wie wir die Welt sehen.
Sie beeinflussen auch, wie wir anderen Menschen begegnen.
Diese Bilder können wir nicht einfach ablegen.
Ablegen heißt hier, sie sofort loszuwerden.
Aber wir können sie reflektieren. Reflektieren bedeutet, sie bewusst zu hinterfragen.
Wir können auch versuchen, sie zu verlernen.
Verlernen heißt, alte Denkweisen Schritt für Schritt zu verändern.
Vertraulichkeit #
Was du uns erzählst, bleibt bei uns.
Auch dass du mit uns redest, bleibt bei uns.
Das gilt, solange du nichts anderes möchtest.
In der Praxis bedeutet das Folgendes.
Gespräche mit dem Awareness-Team sind vertraulich.
Vertraulich heißt, dass Informationen geschützt sind und nicht weitergegeben werden.
Wir sprechen mit keiner anderen Person darüber, was du uns erzählt hast.
Wir sprechen auch nicht darüber, dass du überhaupt bei uns warst.
Das ändern wir nur, wenn du es ausdrücklich möchtest.
Dann besprechen wir gemeinsam, was weitergegeben wird.
Wir versuchen dich nicht zu überreden.
Überreden heißt, jemanden zu etwas zu drängen, das er oder sie nicht will.
Alles, was wir tun, sprechen wir vorher mit dir ab.
Manchmal sprechen wir im Team über Fälle.
Das passiert nur teamintern.
Teamintern heißt, nur innerhalb des Awareness-Teams.
Dabei nutzen wir Anonymisierung.
Anonymisiert heißt, dass keine Namen oder erkennbaren Details genannt werden.
Wir arbeiten außerdem nach dem need-to-know-Prinzip.
Need to know ist ein englischer Begriff.
Er bedeutet, dass jede Person nur die Informationen bekommt, die sie wirklich braucht.
So weiß jede Person im Team nur so viel wie unbedingt nötig.
Der Grund dafür ist der Schutz deiner Privatsphäre.
Privatsphäre bedeutet dein persönlicher und geschützter Lebensbereich.
Belastende Situationen brauchen einen sicheren Raum.
Belastend heißt, dass etwas emotional schwer auszuhalten ist.
In diesem Raum sollst du keine Angst haben müssen, später wiedererkannt zu werden.
Wiedererkannt heißt, dass andere dich erkennen, obwohl du das nicht willst.
Du sollst auch nicht bewertet werden.
Bewerten heißt, über dich zu urteilen.
Nur wenn du sicher sein kannst, dass nichts ohne dein Einverständnis weitergegeben wird, kannst du frei entscheiden.
Einverständnis bedeutet, dass du bewusst und freiwillig zustimmst.
Dann kannst du selbst bestimmen, was du erzählen möchtest und was nicht.
Wir wissen, dass es Mut braucht, mit fremden Menschen zu sprechen.
Mut heißt, trotz Angst oder Unsicherheit einen Schritt zu gehen.
Es ist oft schwer, unangenehme oder intime Details zu teilen.
Intim bedeutet sehr persönlich.
Das Vertrauen, das du uns dabei schenkst, nehmen wir ernst und schätzen es sehr.
Betroffenenzentrierung #
Deine Bedürfnisse sind für uns am wichtigsten.
Das bedeutet im Alltag Folgendes.
Die Person steht im Mittelpunkt, die Diskriminierung, Belästigung oder sexualisierte Gewalt erlebt hat.
Diskriminierung heißt, dass Menschen schlechter behandelt werden. Zum Beispiel wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder einer Behinderung.
Belästigung heißt, dass jemand bedrängt oder unangenehm behandelt wird.
Sexualisierte Gewalt heißt, dass sexuelle Handlungen oder Worte gegen den Willen einer Person passieren.
Uns ist nicht wichtig, was andere darüber denken.
Wir prüfen nicht, ob du dich „richtig“ verhalten hast.
Wir prüfen auch nicht, ob das, was du jetzt brauchst oder willst, „richtig“ ist.
Wir hören dir zu.
Wir machen dir vielleicht Vorschläge.
Und wir unterstützen dich so gut wir können.
Warum wir das so machen.
Schwere und belastende Erlebnisse fühlen sich für jeden Menschen anders an.
Darum wäre es nicht hilfreich und nicht respektvoll, unsere eigenen Ideen über deine zu stellen.
Wir wollen verhindern, dass du noch mehr verletzt wirst.
Das passiert oft, wenn andere deine Gefühle anzweifeln oder Entscheidungen über dich hinweg treffen.
So kannst du wieder Kontrolle bekommen.
Kontrolle heißt, selbst entscheiden zu können.
Diese Kontrolle wurde dir vorher genommen.
Wenn wir uns an deinen Wünschen orientieren, entsteht ein sicherer Raum.
In diesem Raum kannst du selbst entscheiden, was sich für dich richtig, möglich und hilfreich anfühlt.
Handlungsfähigkeit stärken #
Es geht uns darum, dass du wieder selbst handeln kannst.
Das bedeutet im Alltag Folgendes.
Wenn du dich an uns wendest, besprechen wir alles mit dir.
Du entscheidest, wie es weitergeht.
Du weißt am besten, was du brauchst.
Wir helfen dir dabei, das für dich klarer zu machen.
Wenn du möchtest, unterstützen wir dich auch bei der Umsetzung.
Wir können dir Möglichkeiten zeigen und Vorschläge machen.
Wir sagen dir aber nicht, was „das Richtige“ ist.
Auch nichts zu tun ist eine Entscheidung.
Sich erst einmal um sich selbst zu kümmern ist ebenfalls eine Entscheidung.
Wir können Dinge für dich übernehmen.
Grundsätzlich verstehen wir uns aber als Unterstützung.
Das gilt auch, wenn du mit einem anderen Anliegen zu uns kommst.
Oder wenn du vorbeugend mit uns sprechen möchtest.
Vorbeugend heißt, dass du dich auf eine Situation vorbereiten willst, bevor etwas passiert.
Unser Fokus liegt auf dem Event.
Uns ist wichtig, dass du dort eine möglichst gute Zeit haben kannst.
Wir können gemeinsam Schritte und Ideen für die Zeit danach überlegen.
Nach dem Event können wir dich aber nicht weiter begleiten.
Warum wir das so machen.
Belästigung, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt führen oft zu Ohnmacht.
Ohnmacht heißt, sich hilflos und ausgeliefert zu fühlen.
Betroffene sind oft unsicher, was sie erlebt haben.
Manche fühlen sich wie gelähmt.
Reaktionen von anderen Menschen machen das oft schlimmer.
Dann fallen Sätze wie „Das ist doch nicht so schlimm“.
Oder „Stell dich nicht so an“.
Solche Sätze verletzen zusätzlich.
Awareness-Support will genau das verhindern.
Wir wollen helfen, aus der Ohnmacht herauszukommen.
Wir wollen, dass du wieder selbst bestimmen kannst.
Das nennt man Selbstwirksamkeit.
Selbstwirksamkeit heißt, zu merken: Ich kann handeln. Ich habe Einfluss.
Reflexion und Intervision #
Wir bilden uns weiter.
Und wir schauen im Team gemeinsam darauf, wie wir gehandelt haben.
Das machen wir intern und anonym.
Anonym heißt, dass keine Namen genannt werden.
Das bedeutet im Alltag Folgendes.
Wir sprechen regelmäßig über unsere Arbeit.
Wir schauen, wie wir mit Anliegen umgehen.
Und wie wir mit den Menschen umgehen, die zu uns kommen.
Jedes Teammitglied kann sagen, dass es Austausch braucht.
Dieser Austausch heißt Intervision.
Intervision bedeutet, dass Kolleg*innen gemeinsam über einen Fall sprechen, um daraus zu lernen.
Dann setzen wir uns zusammen.
Wir sprechen nach einem festen Ablauf über einen konkreten Fall.
Der Fall wird dabei anonymisiert.
Das hilft bei der eigenen Verarbeitung.
Und es hilft dem ganzen Team, gemeinsam besser zu werden.
Warum wir das so machen.
Awareness heißt, dass es in jeder Situation mehrere Möglichkeiten gibt.
Das gilt für die Person, die zu uns kommt.
Und das gilt auch für uns als Team.
Jede Situation ist anders.
Kein Mensch im Team sieht allein alles.
Darum ist Austausch wichtig.
Wir wollen nicht aus Gewohnheit handeln.
Wir wollen bewusst handeln.
Bewusst heißt, mit Nachdenken.
Wir wollen verantwortungsvoll handeln.
Und fachlich gut. Fachlich heißt, mit Wissen und Erfahrung.
Auch wir können Fehler machen.
Wir können ungeschickt handeln.
Wir können jemanden verletzen.
Wir können etwas übersehen.
Manchmal fehlt Wissen.
Manchmal fehlt Sicherheit im Handeln.
Reflexion und Intervision helfen uns dabei.
Reflexion heißt, über das eigene Handeln nachzudenken.
So erkennen wir Fehler oder Lücken.
Wir können Dinge beim nächsten Mal besser machen.
Oder sehen, dass unser Handeln gut war, auch wenn es andere Möglichkeiten gegeben hätte.
So stärken wir unser gemeinsames Verständnis im Team.
Und wir achten auch auf uns selbst.
Damit erreichen wir unser Ziel.
Dir Unterstützung zu geben, die gut durchdacht ist.
Die reflektiert ist.
Und die professionell ist.